Methodenvorstellung: Die Dialogische Introspektion in der Qualitativen Marktforschung

Kategorie: Markt- und Mediaforschung — 21:55 9. Januar 2012

Diese Methode biete ich aktiv gemeinsam mit meinen Kollegen vom qualitativem Forschungslabor in Hamburg an. Ein spannender wertvoller Blickwinkel ins Erleben des Konsumenten.

Sie hätten gerne Anschauungsmaterial? Unser Eigenprojekt haben wir durchgeführt zum Thema Modeeinkauf von Frauen, was ein Kleidungsstück zum Lieblingsteil werden lässt, welche Rolle Zeitschriften bei der “Modebildung” spielen und sind daneben auf die Unterschiede zwischen Katalog- und Vor-Ort- Shoppen eingegangen.

Sie wollen mehr darüber erfahren? Melden Sie sich – bei mir direkt oder beim QFL – Qualitativem Forschungslabor.

Was ist Dialogische Introspektion?

Die Dialogische Introspektion ist eine Forschungsmethode zur Untersuchung bewusster innerer Vorgänge des Erlebens wie Denken, Erinnern, Fühlen, Vorstellen durch Selbstbeobachtung.

Die Methode wird in Gruppen durchgeführt, wobei die Gruppensituation dazu genutzt wird, um die oftmals unvollständige und chaotische Alltagsintrospektion systematisch zu erschließen und damit in ihrer Qualität zu verbessern.

Wer hat die Dialogische Introspektion entwickelt?

Sie wurde in den letzten Jahren an der Hamburger Universität im Rahmen der Hamburger Forschungswerkstatt  entwickelt (vgl. Burkart, Kleining, Witt: Dialogische Introspektion, VS Verlag, 2010).

Die Methode wurde an einer Vielzahl von unterschiedlichen Themenbereichen (Rezeption von Medien, von Architektur, Gefühls- und Erwägensprozesse, Erleben im Alltag) mit großem Erfolg erprobt.

Wie wird die Dialogische Introspektion durchgeführt?

  • Vorlage / Vorgabe eines Stimulus / einer Situation.
  • Jeder Teilnehmer beobachtet sich selbst und „hört in sich hinein“, soll sich treiben lassen.
  • Diese Selbstbeobachtungen zeichnet der Teilnehmer schriftlich für sich auf.
  • Jeder Teilnehmer stellt in einer ersten Runde seine Introspektion den anderen Teilnehmern mündlich vor, ohne dass er verbal oder non-verbal unterbrochen oder kommentiert wird.
  • Jeder Teilnehmer hat in einer zweiten Runde die Möglichkeit, seine Introspektion zu ergänzen und zu vertiefen, wenn ihm in der ersten Runde  durch das Gehörte  Ergänzungen eingefallen sind.

Die Analyse erfolgt durch Suche nach Gemeinsamkeiten in den Daten nach den Regeln der qualitativ-heuristischen Sozialforschung.

Was sind die Vorteile dieser Methode?

  • Sehr persönliche, vielschichtige und komplexe Beschreibung dessen, was der Stimulus auslöst.
  • Emotionale, unzensierte Beschreibung des Stimulus in seiner individuellen Wirkung und Bedeutung.
  • Geringe gruppendynamische Einflüsse, der Moderator ist hauptsächlich Instruktor.
  • Keine Begrenztheit in der Durchführung – Introspektion kann zuhause, im Studio oder zwischendurch gemacht werden.
  • Für viele Fragestellungen und Stimulusformen geeignet.
  • Anschlussfähig an andere qualitative und quantitative Methoden – GDs, Einzelinterviews, Selbstausfüller, Tagebücher, „Hausbesuche“, Home-Use Tests.
  • Soziodemografische, internationale und interkulturelle Vergleiche möglich.
  • Die Auswertung des Datenmaterials fokussiert  auf die Gemeinsamkeiten der einzelnen Introspektionen. Damit können individual-situative und überindividuell verallgemeinerbare Einsichten gewonnen werden.

Wie lässt sich die Dialogische Introspektion in der Marktforschung einsetzen?

Das subjektive Erleben des Konsumenten ist bedeutsam für seine Haltung zu Produkten. Es bildet die Basis für seine Konsumentscheidungen und spiegelt seine Erfahrungen bei der Produktverwendung und -nutzung. Während andere Methoden nur einen fragmentarischen introspektiven Anteil haben, ermöglicht es die Introspektion am besten, dieses Erleben zu erfassen, z.B.

  • Erlebnisqualitäten von Produkten,
  • Erleben bei Konsumentscheidungen,
  • Erleben des Kaufkontextes,
  • Erleben von Konsumsituationen.

Welche Untersuchungstypen sind möglich?

Experimenteller Ansatz
Konsumenten werden mit Produkten, Produktaspekten, Kommunikation konfrontiert.

Retrospektiver Ansatz
Konsumenten werden gebeten, sich an ihr Erleben von Produkten, Konsumsituationen, Kaufentscheidungssituationen zu erinnern.

Ökologischer / ethnografischer Ansatz
Konsumenten registrieren ihr Erleben in ihrem Alltag in der relevanten Konsumsituation und kommen später in der Gruppe zusammen, um ihr Erleben mitzuteilen.

Falls Sie diese Methode interessiert, erhalten Sie weitere Informationen:

QFL – Qualitatives Forschungslabor

Copyright
© QFL-Qualitatives Forschungslabor / simmelbarsch.forschung Hamburg


Missverständnis “Fokusgruppe 2.0″

Kategorie: Markt- und Mediaforschung — Tags: , , — 17:22 23. Juni 2011

Hier das Intro einer Xing Marktforschungsgruppe:

“Focus Groups, die wie Spielgruppen aussehen
Ein Dutzend Frauen arbeitet in meditativer Stille, während sie behutsam Collagen aus Barbie-Puppen, großen bunte Lutschern und Stücken von Federboas auf schwarzen Holzfaserplatten arrangieren. Ein Kunstprojekt? Die neueste Nachmittagsbeschäftigung gelangweilter Upper East Side-Hausfrauen? Weit gefehlt! So sehen die neuen Fokusgruppen der New Yorker Marktforscherin Malika Sanna, Gründerin von Spark NYC aus, die damit Kunden wie Unilever oder Time Warner Cable zu einem tieferen Einblick in die Emotionen ihrer Kunden verhilft.”

Der link zum NYT Artikel, aus dem diese Beschreibung entnommen ist: http://nyti.ms/mCWJjl

Sieht so die Fokusgruppe 2.0 aus?

Auch so. Ist meine Antwort. Darin liegt das Missverständnis. Denn da ich keine perfekte Methode kenne, wird keine Methode andere komplett ablösen können. Es wird für geeignetere Anwendungsmöglichkeiten für die eine oder die andere geben. Als methodischer Berater obliegt es uns Marktforschern, die für das anstehende Projekt bestmögliche Methode vorzuschlagen – ohne zu verschweigen, was durch die gewählte Methode eben nicht so gut abgedeckt werden kann.

Werden Kunden-, Nutzer- oder Zielgruppenblogs Fokusgruppen ersetzen? Zweifelsohne sind das interessante Optionen, zumal die Auswertung einerseits manuell, andererseits mit Social Media Analyse Tools durchgeführt werden kann. Allerdings: Ein Blog wird vom aktiven Verlautbarungsinteresse der Kunden, Nutzer oder Zielgruppen gesteuert. D.h. darin werden Aspekte, die erst auf den zweiten Blick wichtig sind, z.B. solche, ohne die etwas nicht wichtig wäre, potenziell unterschätzt bzw. nicht berücksichtigt. Blogger (be-)schreiben nicht Dinge, die für sie grundsätzlich und vorausgesetzt “so sind”. Für derartige Insights empfiehlt sich eine (Moderations-) gesteuerten qualitativen Forschung.

Für jedes Projekt sollte die Methode “Fokusgruppe” angepasst werden auf das Sujet, die Interessen des Auftraggebers. Gute Fokusgruppen sind also stets individuell auf das bestimmte Projekt zugeschnitten.

Meist entstehen ja gerade in der Auseinandersetzung des konkreten Projektes Ideen, die sich dann in “neuen Methoden” manifestieren. Das funktioniert aber nur, wenn man methodisch offen bleibt und, wenn es das Projekt erfordert, auch mal zur “normalen” Fokusgruppe greift. Weil auch dieses Instrument mitunter die beste Methode darstellen kann.

Siehe dazu auch mein Forenbeitrag inkl. Diskussion auf Xing: Warum eigentlich sind “normale” Fokusgruppen in Verruf geraten?


Informationsverflachung durch Interessen filternde Algorithmen



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Eli Pariser bei einer TED Veranstaltung zum Thema Beware online “filter bubbles”.

Er stellt fest, dass Interessen filternde Algorithmen das Blickfeld einengen. Auch die Zeit 26/2011 vom 22.6.2011 setzt sich auf S.37 mit dem Thema auseinander (noch? nicht online verfügbar).

Man könnte den Effekt auch Informationsverflachung nennen. Kreativität lebt vom “nicht Angepassten”. Das heißt, Ideen entstehen (mindestens sehr viel eher) bei einem Musterbruch. Genau das aber verhindern die google’schen oder facebook’schen Algorithmen. Sie erzeugen einen Fluss des langweilig Bekannten, Angepassten, der Kreativität und Ideentum über kurz oder lang ruiniert.

Mir ist es nicht gelungen, in Facebook ein zu entfernendes Häkchen zu finden, die diesen Algorithmus abschaltet :-( Bei Google können Cookielöschung und (so merkwürdig es klingt) das eingeloggte Suchen Abhilfe schaffen. Denn nur mittels Registrierung kann man die Art des Suchens manipulieren.

Diese Algorithmen unterstellen, dass der bestehende Blickwinkel der persönlich “richtige” ist. Doch selbst für das einzelne Subjekt lässt sich derartige Objektivität nicht aufrecht erhalten. Schon allein das heraklit’sche panta rei zeigt, dass etwas, was heute stimmt, das Richtige ist, morgen nicht unbedingt stimmen, das Richtige bleiben muss.

Man hüte sich daher vor zu viel “wir (Google, Facebook etc.) wissen – viel besser als Du – was für Dich Nutzer gut ist”. Die Anbieter überschreiten damit die Grenze eines unterstützenden Instruments hin zum bevormundenden. Im Extrem also bringt dieser Algorithmus nicht größeren Nutzen für den Nutzer, sondern Gleichschaltung, Mittelmaß und altbacken Bekanntes.

Eine der letzten Innovationen wäre vermutlich, dass ein “verbesserter” Algorithmus die Wünsche des Nutzers schon vor Emergieren “erkennt” und entsprechende Vorschläge unterbreitet. Das aber bedeutet das Ende von Individualität und Selbstbestimmtheit.

Auf Deutsch soll das Buch unter dem Titel “Die Blase des Vorsortierten” bei Hanser im kommenden Jahr erscheinen. Einstweilen hier für Kaufinteressierte der Hinweis auf den Originaltitel:


Online & Social Media Research Seminar

Zusammen mit zwei Kollegen biete ich unter dem Dach von Management Circle ein Online & Social Media Research Seminar an. 3x in Deutschland von Ende August bis Ende November. Infos unter http://bit.ly/lIGkJa. Oder gerne mich kontakten.

In dem Management Circle Seminar erfahren Sie, wie Sie neue Kanäle für Ihre Online-Marktforschung nutzen.

Das Seminar zeigt Ihnen Ergebnisse von Studien zu Datenerhebungsprozessen mit Social Media-Tools. Neben wichtigen methodischen, technischen und rechtlichen Grundlagen lernen Sie auch Hürden und Fallstricke in der Praxis kennen. Zudem bekommen Sie wertvolle Tipps für Ihre individuelle Online-Erhebung an die Hand.

Wir haben für Sie das Intensiv-Seminar „Social Media Research“ konzipiert, in dem ich mit meinen beiden erfahrenen Expertenkollegen, Prof. Dr. Holger Lütters und Marc Egger vermitteln, wie Sie Lösungsansätze für Ihr individuelles Projekt entwerfen. Sie erhalten direkt praktische Beratung für die eigenständige Umsetzung im Unternehmen.

Ihr PLUS: Von der Praxis für die Praxis!

24. und 25. November 2011 in München

Management Circle Logo


Buchreflexion: Mathias Binswanger “Sinnlose Wettbewerbe”

Kategorie: Markt- und Mediaforschung — 09:32 18. März 2011


Preis: EUR 19,95 EUR


Worum geht es? Binswanger beschreibt den Ausgangspunkt seines Buches “Sinnlose Wettbewerbe” so:

“Die heutigen gesellschaftlichen Ideale kommen in abstrakten Begriffen wie “Effizienz”, “Exzellenz”, “Leistung”, “Markt”, “Wettbewerbsfähigkeit”, “Innovation” oder “Wachstum” zum Ausdruck und in unzähligen Wettbewerben versuchen wir uns gegenseitig mit diesen Idealen zum übertrumpfen.” (S.14)

Im Installieren eines Wettbewerbs wird eine Effizienzsteigerung gesehen, ganz gleich, ob die vielen künstlichen Wettbewerbe, d.h. Wettbewerbe ohne echten Markt, inhaltlich zu einer optimalen Produktion oder auch optimalen Anpassung auf die Nachfrage führt. Im Sport dominieren Wettkämpfe, in denen es darum geht, besser zu sein als der Mitwettbewerber. Das gilt ebenso für die künstlich inszenierten Wettbewerbe ohne Markt. Die Teilnehmer fokussieren auf den Sieg und nicht die (absolute) Leistung.

“Ziel eines Professors ist es dann nicht mehr, eine bestimmte publizistische Leistung zu erbringen, sondern mehr zu publizieren als andere Professoren [...].” (S.54)

Dadurch wird das eigentliche Ziel dieser künstlich inszenierten Wettbewerbe, die Qualität zu steigern, z.B. ein besseres Gesundheits- oder Bildungssystem zu erhalten, aus den Augen verloren. Kernkritikpunkt Binswangers ist, dass der Versuch scheitert, Qualitatives über quantifizierbare Daten zu erfassen. Es werden Daten gesucht, die wettbewerbstechnisch gerankt werden können. Im zitierten Beispiel wäre zum Beispiel das Ziel, die Qualität eines Professors über die Anzahl der veröffentlichten Publikationen zu messen. Dieser künstliche geschaffene Wettbewerb verführt lediglich dazu, viele Publikationen zu veröffentlichen. Inhaltlich wirkt es der Qualität des einzelnen Beitrags entgegen, da versucht wird, Erkenntnisse mittels Salamitaktik auf viele Artikel aufzuteilen. Die Güte eines Professors kann man eben nicht über die Länge seiner Veröffentlichungsliste messen, sondern muss sich die Qualität der veröffentlichten Inhalte anschauen. Diese zu beurteilen ist letztendlich aber nur subjektiv möglich. Derartige subjektive Urteile sind begründbar und müssen begründet werden. Dabei muss jedoch nicht jedes Argument mit Zahlen belegbar sein, um als nachvollziehbar zu gelten.

“Qualität ist grundsätzlich nicht messbar, und das gilt es zu akzeptieren. Es spricht nichts dagegen, Kennzahlen zu definieren und zu ermitteln, aber diese dürfen nicht mit Qualität gleichgesetzt werden. Man kann durchaus die Zahl der Dreifachsprünge bei einer Eiskunstlaufkür messen, aber diese Zahl ist nicht identisch mit ihrer Qualität. Und wenn man versucht, der Qualität mit immer mehr Indikatoren auf die Spur zu kommen und ganze Indikatorensysteme kreiert, dann sieht man schnell einmal vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Und ein immer genaueres Ausmessen von Bäumen ermöglicht einem nicht, die Qualität des Waldes besser zu verstehen” (S.218f)

Der Installation vieler künstlicher Wettbewerbe folgt jedoch die Installation einer Bürokratie, die dazu neigt, den Wettbewerb auszuoptimieren, das heißt immer komplexer und komplizierter zu machen. Dies erhöht die Ineffizienz, denn das eigentliche Ziel wird immer mehr aus den Augen verloren, da man dem messbaren Ersatzziel “huldigt”, also die im Zitat erwähnte Vermessung der Bäume ausoptimiert, ohne darüber nachzudenken, dass dies nicht dazu führt, die Qualität des Waldes an sich besser zu verstehen.

Ein Abschaffen dieser sinnlosen Wettbewerbe führte zu mehr subjektiven Entscheidungen. Dies würde die echte Übernahme von Verantwortung auf die Person, die entscheidet, implizieren. Denn gerade subjektive Entscheidungen müssen begründet werden. Dies zeigt wiederum, dass eine Person Sache und Entscheidung reflektiert hat. Durch sinnlose Wettbewerbe hingegen wird die Verantwortung zu Kennzahlen abgeschoben, die inhaltlich am Eigentlichen vorbei zielen und mit denen sich inhaltlich niemand intensiv auseinandersetzt und auskennt.

Auch wir Marktforscher stellen häufig (zu recht!) Zahlen ins Zentrum unserer Argumentationen. Bloße Zahlen erklären aber nichts, es sei denn man liefert eine fundierte Interpretation. Letzten Endes ist diese Interpretation eine subjektive. Für die wir Verantwortung übernehmen sollten. Schließlich wollen wir für diese Qualität bezahlt werden und glauben uns gerade darin zu unterscheiden.

Darüber hinaus lassen sich manche Fragen durch keine gemessene Zahl angemessen beantworten. Fürsprache für zahlenlose qualitative Forschung scheint in dem Umfeld, welches Binswanger entwirft, zuweilen schwer vermittelbar. Verantwortliche Beratung schließt jedoch mit ein, dem Kunden die Methodenauswahl auseinanderzusetzen und inhaltlich sinnvoll zu begründen.

Das zentrale Interesse sollte dabei die Beantwortung der Fragen des Kunden sein, nicht das Verkaufen von Methoden, die wohl klingen und mit einem © oder ™ versehen sind, aber an der Fragestellung knapp vorbei zielen. [amazon asin=3451303485&text=www.amazon.de]


Verdient Aufmerksamkeit: Demokratie ist gefährdet, wenn Meinung an die Stelle der Vernunft gesetzt wird

Kategorie: Markt- und Mediaforschung — Tags: — 11:03 23. Dezember 2010

Benjamin Barbers Artikel erschien am 4. Dezember in der Süddeutschen Zeitung auf Deutsch (S.14, online nach meinen Recherchen nicht verfügbar). Auf Englisch ist der Artikel über seine Webseite verfügbar, erschienen ist er ebenfalls gedruckt in der Novemberausgabe von The Nation.

Die Unterzeile ist schon ein sehr gute Zusammenfassung seiner Sicht: “Die Demokratie ist in Gefahr, weil wir Meinung und Vorurteil an die Stelle von Wissenschaft und Vernunft gesetzt haben”.

Und weiter zitiert:

“Das Problem ist das folgende: Wenn wir nur noch fühlen und meinen, weil wir überzeugt sind, dass es keine Möglichkeit gibt, unsere Meinung zu bestreiten oder anzuzweifeln, dann wird “eine Meinung zu haben”  dasselbe wie “recht zu haben”. Recht zu haben sticht dann Glaubwürdigkeit und Beweisbarkeit, und wir verlieren unsere Kernfähigkeit, nämlich einzuräumen, dass wir unrecht haben könnten, und dass unsere Ansichten nach irgendwelchen anderen Kriterien beurteilt werden müssen, als nur danach, wie sehr wir von ihnen überzeugt sind.”

Demokratie schließt für ihn zwingend mit ein, Meinung bestätigen aber auch falsifizieren zu lassen. Die derzeitige Bewegung hin zu Social Media birgt, folgt man ihm, damit in sich die Gefahr, das ursprünglich demokratische und (gedacht) demokratisierende Medium Internet durch Extremisierung in ein meinungsdiktatorisches zu verwandeln. Damit steht ein Grundwert unserer Gesellschaft zur Disposition: die Freiheit (des Einzelnen). Barber stellt dazu am Ende des Artikels fest:

“[...] erschreckende Belege für dieses epistemologisches Defizit – für eine lange, zerstörerische Erosion unseres durch die Aufklärung geprägten Glaubens an Vernunft und logisches Denken und unserer Bereitschaft anzuerkennen, dass Tatsachen und gute Argumente sich durchsetzen müssen, wenn die Freiheit überleben soll.”

Diese Freiheit kann man nur verteidigen, indem man die Gefahr einer Meinungsdiktatur der – un(an)greifbaren – Masse darstellt. Ohne Social Media an sich als Teufelswerk zu verdammen. Es geht um den Prozess des Argumenteaustauschs. Es geht jeden Einzelnen an. Es setzt eigenes Denken voraus und eben gerade nicht das Verlassen auf die Empfehlung einer mir nicht bekannten aber (unterstellt) ähnlichen Masse. Diese Faulheit des Nicht-Denkens ist der Freiheit und Demokratie abträglich.


Deutsche nutzen seltener verschiedene Plattformen fürs Fernsehen als europäische Nachbarn

Kategorie: Markt- und Mediaforschung — Tags: , , , — 12:45 16. November 2010

In einer Studie der European Interactive Advertising Association (eiaa) mit der Grundgesamtheit “16 Jahre und älter” in 15 europäischen Ländern zeigt sich, dass in Deutschland vergleichsweise wenig Personen innerhalb einer Woche über alle der drei verschiedenen Plattformen TV Gerät, PC und Smartphone fernsehen.

Fernsehen verbreitet sich erstaunlich schnell auf dem Smartphone: schon fast jeder 7. Europäer ab 16 Jahre sieht auf dieser Plattform fern (14%). Am TV Gerät sind es fast alle: 94%. Auf dem PC sieht jeder zweite (51%) zu.

Mehrfachbildschirmnutzer (Multi-Screener) ist im europäischen Durchschnitt jeder Zehnte (10%). Warum aber gehört Deutschland mit 6% neben Portugal (5%) und Spanien (6%) zu den europäischen Schlusslichtern? Am stärksten verbreitet ist der Mehrfachbildschirmgebrauch in Großbritannien (19%), Schweden (19%) und der Schweiz (17%).

In der Studie gibt es keine Analyse zu diesem Fakt. Meiner Meinung nach liegt es aber an den hohen Kosten, die für Smartphones und Verträge / Flatrates in Deutschland anfallen. Zumindest für die, die medial Sichtbarkeit erzeugen (iPhone & Premiummodelle anderer Hersteller).

Jedenfalls wird in etwa zwei Jahren noch ein vierter Bildschirm dazukommen: das Pad/Tab. Die Nutzung dürfte sehr wahrscheinlich auf Kosten der PC Nutzung gehen.

Hier die Quellen meines Beitrags: die ausführliche Pressemitteilung und der Report der eiaa.


Buchtipp: Henry Mintzberg “Managen”

Kategorie: Markt- und Mediaforschung — Tags: , , — 15:19 26. Oktober 2010

Managen (Gebundene Ausgabe)

Von Henry Mintzberg

Preis: EUR 29,90 EUR
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gebraucht ab: EUR 18,00 Auf Lager


Henry Mintzbergs “The structuring of organizations” (deutsch: Die Mintzberg- Struktur. Organisationen effektiver gestalten) war im Studium mein erstes ganzes Fachbuch auf Englisch. Und schon da fand ich: der Mann schreibt klar, einfach und unterhaltsam und gerade deshalb fachkompetent. Mein Bücherstapel ist hoch, aber ich überlege schwer, ob ich mir das noch oben drauf lege.

Mintzberg hat für sein Buch “Managen” 29 Manager je einen Tag begleitet. Und zeigt im Buch auf, was “managen” bedeutet. Spannend. Nicht nur für Soziologen.


Gedruckte Bücher werden in der digitalen Welt überleben

Kategorie: Markt- und Mediaforschung — Tags: , — 19:31 19. Oktober 2010


Preis: EUR 6,90 EUR
Neu ab: EUR 6,90 Auf Lager
gebraucht ab: EUR 3,99 Auf Lager


Countdown Blogging: Jetzt ist es da! Klare Kaufempfehlung!

Countdown Blogging: Zeit nervös zu werden. In 4 Wochen gibt’s das Kleinod.

Countdown Blogging: Jetzt sind es nur noch 8!

Countdown Blogging: jetzt nur noch 12 Wochen warten…

Ich wünschte es wäre schon der 7. Februar 2011 (noch 16 Wochen warten). Denn da kommt ein kleines aber sehr sehr sehr wunderbares Buch auf Deutsch heraus. Es heißt “Das ist ein Buch!”, ist von Lane Smith und handelt von einem, der – in einer digitalen Welt aufgewachsen – Bücher nicht kennt.

Einfach (deshalb genial) wird dargestellt, was ein Buch ausmacht, indem es zeigt, was es alles nicht kann, außer: in seinen Bann ziehen – und das ganz ohne Aufladen. Darum wird das unelektronische Buch seinen Platz in der Welt behalten.

Der englische Vorgeschmack als Filmchen:


Jonathan Franzen: man hat verlernt, Lärm von Substanz zu unterscheiden

Kategorie: Markt- und Mediaforschung — Tags: , , , — 21:36 11. September 2010

Jonathan Franzen in der Süddeutschen Zeitung (11.9. S.14, noch nicht online): “Wir [FH: die USA] waren einmal erwachsen, jetzt sind wir kreischende Teenager. [...] Die Leute stehen derart im Bann ihrer elektronischen Unterhaltung, sind so abgelenkt von digitaler Kommunikation, dass sie jede Fähigkeit verloren haben, Lärm von Substanz zu trennen.”

Nur die USA? Ich meine: das gilt für Deutschland gleichermaßen. Und das hat Auswirkungen auf die Wahrnehmung medialer Inhalte. Schnelle Emotion zählt (immer) mehr, langsames Durchdenken weniger. Das werden die Medienproduzenten, die auf Erfolg achten, bei ihren Angeboten berücksichtigen.

Siehe auch mein Blogbeitrag “Konjunktivierung des Lebens durch always on.”