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Methodenvorstellung: Die Dialogische Introspektion in der Qualitativen Marktforschung
Diese Methode biete ich aktiv gemeinsam mit meinen Kollegen vom qualitativem Forschungslabor in Hamburg an. Ein spannender wertvoller Blickwinkel ins Erleben des Konsumenten.
Sie hätten gerne Anschauungsmaterial? Unser Eigenprojekt haben wir durchgeführt zum Thema Modeeinkauf von Frauen, was ein Kleidungsstück zum Lieblingsteil werden lässt, welche Rolle Zeitschriften bei der “Modebildung” spielen und sind daneben auf die Unterschiede zwischen Katalog- und Vor-Ort- Shoppen eingegangen.
Sie wollen mehr darüber erfahren? Melden Sie sich – bei mir direkt oder beim QFL – Qualitativem Forschungslabor.
Was ist Dialogische Introspektion?
Die Dialogische Introspektion ist eine Forschungsmethode zur Untersuchung bewusster innerer Vorgänge des Erlebens wie Denken, Erinnern, Fühlen, Vorstellen durch Selbstbeobachtung.
Die Methode wird in Gruppen durchgeführt, wobei die Gruppensituation dazu genutzt wird, um die oftmals unvollständige und chaotische Alltagsintrospektion systematisch zu erschließen und damit in ihrer Qualität zu verbessern.
Wer hat die Dialogische Introspektion entwickelt?
Sie wurde in den letzten Jahren an der Hamburger Universität im Rahmen der Hamburger Forschungswerkstatt entwickelt (vgl. Burkart, Kleining, Witt: Dialogische Introspektion, VS Verlag, 2010).
Die Methode wurde an einer Vielzahl von unterschiedlichen Themenbereichen (Rezeption von Medien, von Architektur, Gefühls- und Erwägensprozesse, Erleben im Alltag) mit großem Erfolg erprobt.
Wie wird die Dialogische Introspektion durchgeführt?
- Vorlage / Vorgabe eines Stimulus / einer Situation.
- Jeder Teilnehmer beobachtet sich selbst und „hört in sich hinein“, soll sich treiben lassen.
- Diese Selbstbeobachtungen zeichnet der Teilnehmer schriftlich für sich auf.
- Jeder Teilnehmer stellt in einer ersten Runde seine Introspektion den anderen Teilnehmern mündlich vor, ohne dass er verbal oder non-verbal unterbrochen oder kommentiert wird.
- Jeder Teilnehmer hat in einer zweiten Runde die Möglichkeit, seine Introspektion zu ergänzen und zu vertiefen, wenn ihm in der ersten Runde durch das Gehörte Ergänzungen eingefallen sind.
Die Analyse erfolgt durch Suche nach Gemeinsamkeiten in den Daten nach den Regeln der qualitativ-heuristischen Sozialforschung.
Was sind die Vorteile dieser Methode?
- Sehr persönliche, vielschichtige und komplexe Beschreibung dessen, was der Stimulus auslöst.
- Emotionale, unzensierte Beschreibung des Stimulus in seiner individuellen Wirkung und Bedeutung.
- Geringe gruppendynamische Einflüsse, der Moderator ist hauptsächlich Instruktor.
- Keine Begrenztheit in der Durchführung – Introspektion kann zuhause, im Studio oder zwischendurch gemacht werden.
- Für viele Fragestellungen und Stimulusformen geeignet.
- Anschlussfähig an andere qualitative und quantitative Methoden – GDs, Einzelinterviews, Selbstausfüller, Tagebücher, „Hausbesuche“, Home-Use Tests.
- Soziodemografische, internationale und interkulturelle Vergleiche möglich.
- Die Auswertung des Datenmaterials fokussiert auf die Gemeinsamkeiten der einzelnen Introspektionen. Damit können individual-situative und überindividuell verallgemeinerbare Einsichten gewonnen werden.
Wie lässt sich die Dialogische Introspektion in der Marktforschung einsetzen?
Das subjektive Erleben des Konsumenten ist bedeutsam für seine Haltung zu Produkten. Es bildet die Basis für seine Konsumentscheidungen und spiegelt seine Erfahrungen bei der Produktverwendung und -nutzung. Während andere Methoden nur einen fragmentarischen introspektiven Anteil haben, ermöglicht es die Introspektion am besten, dieses Erleben zu erfassen, z.B.
- Erlebnisqualitäten von Produkten,
- Erleben bei Konsumentscheidungen,
- Erleben des Kaufkontextes,
- Erleben von Konsumsituationen.
Welche Untersuchungstypen sind möglich?
Experimenteller Ansatz
Konsumenten werden mit Produkten, Produktaspekten, Kommunikation konfrontiert.
Retrospektiver Ansatz
Konsumenten werden gebeten, sich an ihr Erleben von Produkten, Konsumsituationen, Kaufentscheidungssituationen zu erinnern.
Ökologischer / ethnografischer Ansatz
Konsumenten registrieren ihr Erleben in ihrem Alltag in der relevanten Konsumsituation und kommen später in der Gruppe zusammen, um ihr Erleben mitzuteilen.
Falls Sie diese Methode interessiert, erhalten Sie weitere Informationen:
QFL – Qualitatives Forschungslabor
Copyright
© QFL-Qualitatives Forschungslabor / simmelbarsch.forschung Hamburg
Missverständnis “Fokusgruppe 2.0″
Hier das Intro einer Xing Marktforschungsgruppe:
“Focus Groups, die wie Spielgruppen aussehen
Ein Dutzend Frauen arbeitet in meditativer Stille, während sie behutsam Collagen aus Barbie-Puppen, großen bunte Lutschern und Stücken von Federboas auf schwarzen Holzfaserplatten arrangieren. Ein Kunstprojekt? Die neueste Nachmittagsbeschäftigung gelangweilter Upper East Side-Hausfrauen? Weit gefehlt! So sehen die neuen Fokusgruppen der New Yorker Marktforscherin Malika Sanna, Gründerin von Spark NYC aus, die damit Kunden wie Unilever oder Time Warner Cable zu einem tieferen Einblick in die Emotionen ihrer Kunden verhilft.”
Der link zum NYT Artikel, aus dem diese Beschreibung entnommen ist: http://nyti.ms/mCWJjl
Sieht so die Fokusgruppe 2.0 aus?
Auch so. Ist meine Antwort. Darin liegt das Missverständnis. Denn da ich keine perfekte Methode kenne, wird keine Methode andere komplett ablösen können. Es wird für geeignetere Anwendungsmöglichkeiten für die eine oder die andere geben. Als methodischer Berater obliegt es uns Marktforschern, die für das anstehende Projekt bestmögliche Methode vorzuschlagen – ohne zu verschweigen, was durch die gewählte Methode eben nicht so gut abgedeckt werden kann.
Werden Kunden-, Nutzer- oder Zielgruppenblogs Fokusgruppen ersetzen? Zweifelsohne sind das interessante Optionen, zumal die Auswertung einerseits manuell, andererseits mit Social Media Analyse Tools durchgeführt werden kann. Allerdings: Ein Blog wird vom aktiven Verlautbarungsinteresse der Kunden, Nutzer oder Zielgruppen gesteuert. D.h. darin werden Aspekte, die erst auf den zweiten Blick wichtig sind, z.B. solche, ohne die etwas nicht wichtig wäre, potenziell unterschätzt bzw. nicht berücksichtigt. Blogger (be-)schreiben nicht Dinge, die für sie grundsätzlich und vorausgesetzt “so sind”. Für derartige Insights empfiehlt sich eine (Moderations-) gesteuerten qualitativen Forschung.
Für jedes Projekt sollte die Methode “Fokusgruppe” angepasst werden auf das Sujet, die Interessen des Auftraggebers. Gute Fokusgruppen sind also stets individuell auf das bestimmte Projekt zugeschnitten.
Meist entstehen ja gerade in der Auseinandersetzung des konkreten Projektes Ideen, die sich dann in “neuen Methoden” manifestieren. Das funktioniert aber nur, wenn man methodisch offen bleibt und, wenn es das Projekt erfordert, auch mal zur “normalen” Fokusgruppe greift. Weil auch dieses Instrument mitunter die beste Methode darstellen kann.
Siehe dazu auch mein Forenbeitrag inkl. Diskussion auf Xing: Warum eigentlich sind “normale” Fokusgruppen in Verruf geraten?
Informationsverflachung durch Interessen filternde Algorithmen
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Eli Pariser bei einer TED Veranstaltung zum Thema Beware online “filter bubbles”.
Er stellt fest, dass Interessen filternde Algorithmen das Blickfeld einengen. Auch die Zeit 26/2011 vom 22.6.2011 setzt sich auf S.37 mit dem Thema auseinander (noch? nicht online verfügbar).
Man könnte den Effekt auch Informationsverflachung nennen. Kreativität lebt vom “nicht Angepassten”. Das heißt, Ideen entstehen (mindestens sehr viel eher) bei einem Musterbruch. Genau das aber verhindern die google’schen oder facebook’schen Algorithmen. Sie erzeugen einen Fluss des langweilig Bekannten, Angepassten, der Kreativität und Ideentum über kurz oder lang ruiniert.
Mir ist es nicht gelungen, in Facebook ein zu entfernendes Häkchen zu finden, die diesen Algorithmus abschaltet
Bei Google können Cookielöschung und (so merkwürdig es klingt) das eingeloggte Suchen Abhilfe schaffen. Denn nur mittels Registrierung kann man die Art des Suchens manipulieren.
Diese Algorithmen unterstellen, dass der bestehende Blickwinkel der persönlich “richtige” ist. Doch selbst für das einzelne Subjekt lässt sich derartige Objektivität nicht aufrecht erhalten. Schon allein das heraklit’sche panta rei zeigt, dass etwas, was heute stimmt, das Richtige ist, morgen nicht unbedingt stimmen, das Richtige bleiben muss.
Man hüte sich daher vor zu viel “wir (Google, Facebook etc.) wissen – viel besser als Du – was für Dich Nutzer gut ist”. Die Anbieter überschreiten damit die Grenze eines unterstützenden Instruments hin zum bevormundenden. Im Extrem also bringt dieser Algorithmus nicht größeren Nutzen für den Nutzer, sondern Gleichschaltung, Mittelmaß und altbacken Bekanntes.
Eine der letzten Innovationen wäre vermutlich, dass ein “verbesserter” Algorithmus die Wünsche des Nutzers schon vor Emergieren “erkennt” und entsprechende Vorschläge unterbreitet. Das aber bedeutet das Ende von Individualität und Selbstbestimmtheit.
Auf Deutsch soll das Buch unter dem Titel “Die Blase des Vorsortierten” bei Hanser im kommenden Jahr erscheinen. Einstweilen hier für Kaufinteressierte der Hinweis auf den Originaltitel:







