AWA Präsentation 2010: Scheuklappe Internet

Kategorie:Markt- und Mediaforschung — Tags: — 15:2715. Juli 2010

Dr. Steffen de Sombre präsentierte Generationenspezifische Informations- und Kommunikationskulturen. Insgesamt verengt sich das Interessensspektrum der unter 30 Jährigen und nähert sich dem Bevölkerungsdurchschnitt an (pdf S.4). Der Fakt der Interessensverengung tritt in anderen Altersgruppen nicht zu Tage. Speziell bei denjenigen unter 30 Jährigen, die Onlinemedien ohne Printmedien nutzen, wird das Internet zur Scheuklappe (pdf S.6).

Ohne Print wird das Internet zur Scheuklappe (Quelle http://www.awa-online.de/main.php? selection=110&rubrik=0, pdf S.6) (c) Institut für Demoskopie Allensbach

 

Spannend dabei ist auch, dass Printnutzung die offensichtlich stärker beeinflussende Variable im Vergleich zu Schulbildung und gesellschaftlich-wirtschaftlichem Status ist (pdf. S.7).

Zudem ist die Bildorientierung („finde Texte ohne Bilder langweilig“) bei den unter 30 Jährigen besonders stark ausgeprägt (pdf S.10). Besonders stark ist die Verstärkung dieser Ausprägung bei jungen Zielgruppen mit einfacher Schulbildung zu erkennen (pdf S.11).

Einen dazu passenden interessanten Aspekt zeigte Gerhard Faehling von COMsulting: die spezielle AWA Zielgruppe der Innovatoren differenziert nach der gemeinsamen Nutzung von Print und Online  gegenüber der jeweils lediglich ausschließlichen Nutzung eines der beiden Medien deutlich aus: Der Anteil von Innovatoren in der in beiden Medien aktiven Gruppe ist mit 35% mehr als doppelt so groß als in den beiden Ausschließlichkeitsvarianten (nur Online: 11%, nur Print 14% – pdf S.11 unten).

Geht das bloße Wort in der jungen immer stärker das Onlinemedium nutzende Generation unter? Hier besteht für mich eine denkwürdige Diskrepanz im Lesen und Schreiben. Denn geht die Lesenutzung von Wörtern ohne Bilder auch zurück, verstärkt sich gerade diese Wort-ohne-Bild-Kommunikation in aktiver Verwendung. Man denke an die mobilen und onlinebasierten und damit jungen Kommunikationsarten SMS, E-Mails, Chats, Instant Messaging und die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook oder meinVZ. Gerade in den jungen Zielgruppen unter 30 Jahren fällt die Zustimmung zu „Gut, dass man sich bei der Kommunikation im Internet nicht sehen kann“ mit etwa einem Viertel deutlich höher aus als in anderen Altersgruppen (pdf Dr. de Sombre S.17).

Ein weiterer hochinteressanter Aspekt zeigt auf, dass sich die Kommunikation in den jungen Zielgruppen aufspaltet. Denn wie ältere Zielgruppen auch halten auch junge Menschen den Kommunikationskanal Internet für deutlich weniger geeignet als persönliche Gespräche, wenn es um wichtige Dinge oder menschliches Näherkommen geht (pdf Dr. de Sombre S.20). „Ernste“ Kommunkation wird also nach wie vor lieber im direkten Kontakt betrieben. Lockeres eher unverbindliches in-Verbindung-bleiben („stay connected“) dagegen wird im Internet und auf mobilen Geräten betrieben.

Diese Trennung von ernster und unverbindlicher wird durch die neu entstandenen Kommunikationskanäle sehr deutlich und explizit. Interessant wäre ein Forschungsprojekt zur Frage, inwieweit sich diese Verdeutlichung, wie ernst eine Kommunikation ist, im Verhalten der Jugendlichen niederschlägt.

Das auch das von  mir als unverbindliche Kommunikation beschriebene In-Verbindung-bleiben sozialen Druck erzeugt, zeigt sich in den Antworten auf die Frage der Akzeptanz der Handynutzung während eines Gesprächs: In den Altersgruppen bis 30 Jahren wird dieses Verhalten weit umfangreicher – knapp von jedem zweiten – akzeptiert als in anderen Altersgruppen (pdf Dr. de Sombre S.25f).


AWA Präsentation 2010: zur Habitualisierung von Mediennutzung

Dr. Johannes Schneller zeigte in seinem Vortrag auf, dass Multioptionalität die Mediennutzung verändere. Eine dargestellte Folge wäre die mehr spontane und weniger habitualisierte Mediennutzung (pdf S.2). Ich möchte eine These entgegenstellen: eine Habitualisierung der Online- und mobilen Medien prägt sich erst aus. Durch die anhaltend dynamische Entwicklung sind die Mediennutzungspostionen der einzelnen Medien im Fluss. Spannend wäre, ein Vergleich zu ziehen zur Entwicklung und Habitualisierung des Fernsehens in den 1950er und 1960er Jahren in der Positionsverdrängung des Kinos und Radios. Ich sehe meine These unterstützt durch die von Dr. Schneller dargestellten Ergebnisse, in welchem Medium man sich tagesaktuell informiert (pdf S.4 und S.6). Denn hier zeigt sich die Dynamik des Internets. Mit der Ausprägung der mobilen Nutzung des Internets und spezieller mobiler Dienste auf Smartphones, sogenannter Apps,  wird meiner Annahme diese Dynamik anhalten. Schnelle Veränderung aber steht einer Habitualisierung, einer ausgeprägten dauerhaften Gewohnheit, entgegen.

 

Informationsverhalten bei aktiviertem Informationsbedarf

Dynamische Veränderung beim Medium Internet (Quelle http://www.awa-online.de /main.php?selection=110&rubrik=0, pdf S.4) (c) Institut für Demoskopie Allensbach

Ein weiterer spannender Punkt zeigt sich in der generellen Veränderung im Umgang mit den Medien. Ein Aspekt (pdf S.3) ist nach Dr. Schneller die wachsende Ungeduld bei der Mediennutzung. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Schluss, den ein professioneller Journalist aus Produktionssicht zieht. In einem Gespräch in der Buchhandlung Lehmkuhl führte Thomas Steinfeld am 18. Mai 2010 aus, dass nunmehr das Ende der Geschwindigkeitszunahme der Informationsbereitstellung erreicht sei. Das zur Verfügung stellen (d.h. Schreiben und Veröffentlichen) einer Information könne in Zeiten von Twitter länger als die Recherche dauern. Ein Ereignis kann Sekunden nach dem Auftreten verbreitet werden. Für ihn zeige sich darin eine psychologische Erleichterung in der professionellen Arbeit – es geht nicht mehr schneller – die sich in einer Rückbesinnung auf die Inhalte auspräge. Ich kann diesen Gedanken nachvollziehen und bin gespannt, ob dieser psychologische Effekt auch bei den Mediennutzern auftreten wird.


Votings und deren Nähe zur Marktforschung

Kategorie:Markt- und Mediaforschung — Tags: , — 11:1013. Juli 2010

Haben Sie bestimmt auch schon erhalten: einen Aufruf, bei einem Voting abstimmen. Das gibt es für Webseiten, bei PR-Wettbewerben oder wie bei mir heute für die „zweitbeliebteste deutsche Sportart“. Und was wird daraus: mindestens eine PR Meldung. Die ungefähr so beginnt: „Bei einer Abstimmung…“.Meine „Stimm doch mal ab eMail“ kam in diesem Fall aus den Reihen der Basketballer, die hinter den Handballern lagen. Bei meiner Abstimmung lagen sie schon davor.

Was also ist häufig das Ergebnis solcher Votings: sehr ähnlich den Wahlen und Parteien: es siegt der-die-das-jenige, welche/r/s seine Unterstützer am besten zum Abstimmen zu motivieren vermag.

Schön für diejenige Webseite, die sich mit einem Siegeremblem „beliebteste Webseite“ schmücken kann.

Schön für denjenigen, der im Burger-King Basketball best move contest gewinnt.

Schön für Basketball, das mit deutlich weniger Aktiven und von der Nähe zur Weltspitze schwächer einzustufenden Sportart gegenüber Handball dennoch zweitbeliebteste Sportart werden könnte (NB: Ich habe lange Handball gespielt, spiele Basketball und mag beides gerne sehen und übrigens auch gerne mal Badminton!)

Dient das der Sportschau als Unterlage für eine Entscheidung, eine Sportart mehr in den Fokus zu rücken? Kann ich mir durchaus vorstellen.  Das man dieses Datum des Votings nimmt, die anderen von mir erwähnten nicht recherchiert? Kann ich mir durchaus vorstellen (nur im Abstrakten: ich unterstelle der Sportschau positiv, dass sie gut und gewissenhaft recherchiert und mehr als ein solches Voting zur einer Entscheidung heranzieht).

Votings werden bei Entscheidungen herangezogen?! Ich bin überzeugt: sehr wohl. Mit Markforschung hat so wenig zu tun wie Pulpo Pauls Fußballwahrsage (allerdings: der Krake ließe sich statistisch als „Wahl aus zwei Variablen mit Zurücklegen“ definieren. Also eine einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung, bei der auf lange Sicht p=0,5 herauskommt – ob der Krake Paul wohl so lange lebt und abstimmt? – Ach nein: heut steht in der Zeitung: er geht in den Ruhestand). Würde von den Initiatoren der Votings auch bestimmt niemand behaupten. Und doch, meine ich, besteht aus Marktforschungssicht Handlungsbedarf: denn Ergebnisse von Votings und Marktforschung können sich sehr ähneln. Was anders als eine Abstimmung (altertümlich deutsch für Voting) ist die mindestens vierzehntäglich wiederkehrende Wahlforschung?

Marktforscher müssen sich klar darüber sein, dass der Unterschied für den Adressaten verschwimmt, falls nicht klar gemacht wird, wie gut und sorgfältig die professionelle Auswahl von Befragten vorgenommen wurde. Das Interesse der Voting-Aktivisten ist eine schön vermarktbare Zahl. Das Zustandekommen ist schnurz. Diese Zahlen, versuchen die öffentliche Wahrnehmung zu fluten – sie sind schnell, einfach und nahezu kostenfrei zu generieren. Und werden das „irgendwas wird schon dran sein“ Gefühl der Rezipienten stärken. Marktforscher sollten den Unterschied herausarbeiten: schließlich wollen wir Geld für unsere Forschung. Schließlich gehören die Fragen „Wer ist die richtige Zielgruppe?“ und „Wen befrage ich?“ zu den  wichtigsten unseres Metiers.


Poldolskis Wortspiel Heatrick

Kategorie:Spielplatz der Worte — Tags: — 08:3228. Juni 2010

Gestern, Achtelfinale. Wie es in der SZ so schön heißt: die Rache für Wembley. Aber das schönste ist nach dem Spiel (oder wie das richtig schreibt):

Lukas Podolski nutzt die sich ihm bietenden Gelegenheiten. Die Vorlagen bringt Claus Lufen rein,  eine davon steil.

Treffer 1:
„[…] führen wir 2:0, müssen wir eigentlich souverän in die Halbzeit verwalten“

Schon im Original, „im Live“ (als Schwabe darf ich doch so was) blieb mir Sprache und Spucke weg. Sagt alles und zeigt, wie stark sich das semantische Verstehen gegen die syntaktische Inkorrektheit durchsetzt. Guter attraktiver Zweikampf. Das Verständnis setzt sich durch und siegt. Toll!

Treffer 2:
„[…] aber der Ball war drinne und damit war es gut“

Lukas Podolski, Sie sollten – selbstverständlich nach der Karriere als Fußballer – Dale Carnegy nachfolgen. Der ist seit Mitte der 1950er auf Wolke 7, da sich seine Bücher, die lediglich durch Ihre, Podolskis Antworten getoppt werden, immer noch sehr gut verkaufen. Und sollte das für’s Auskommen nicht reichen: malen Sie mit dem linken Fuß, Christy Brown hat das vorgemacht. Ihr Gefühl in Ihrem Fuß, ach, das ist’s. Das muss es werden. Das muss es bleiben.

Treffer 3 (hier die Steilvorlage beachten):
„Wie groß ist die Brust […]? Die Brust ist da“

Ich würde mich wundern, wenn „die Brust“ nicht eines der Topwörter der WM wird. Vielfältig einsetzbar. Normalerweise breit. Hier: Erst groß, dann einfach da. Schon wieder dieser Carnegy’sche Ansatz bei Podolski. Einfach. Klar. Fantastisch. Und drinne iss er. Ab zur Party oder wie das Jogi ausdrückt: „da dürffet se heut au scho mal a Schnitzel oder ein Pommes“

Podolski hier im Original.

Und ab heute: WEITERMACHEN!


GOR 2010 Splitter: Situative Nutzung von Medienkanälen beachten

Bei einem Gespräch auf der GOR im Mai 2010 hatte ich – wieder einmal – eine Unterhaltung, wie Unternehmensentscheider mit neuen Medien umgehen. Entweder sie ignorieren diese noch neue Medienkanäle wie Social Media oder verstehen mobiles Internet nicht als neuen Kanal. Im Falle der „Entdeckung“ soll „dann eben mal schnell alles auch“ im neuen Kanal dargestellt werden. Nicht dass ich dafür eintrete, das jedes Angebot  jeden Kanal bedienen muss. Aber die Entscheidung, ob man einen Medienkanal bedient oder nicht, sollte sachlich getroffen und nicht mit einem emotionalen „den Mist, den meine Tochter nutzt, brauch ich doch für mein Unternehmen nicht“ abgetan werden. Ebenso sollte das Bewusstsein vorhanden sein, das neue Medienkanäle neue Nutzungssituationen hervorbringen.

Im Beispiel: Alles was im Internet am PC geht soll doch bitte schön auch auf dem Smartphone gehen. Darunter auch: Videos mit einer Länge von 10 Minuten. Das Angebot ist ein Hobby-Spaß-Interesse Angebot, dem man am PC gerne mal eine längere Surfsession einräumt. Der Auftrag ans Marketing des Entscheiders ist also: wir wollen jetzt auch auf der mobilen Internetplattform vertreten sein. Spiegele bitte den „PC-Internet“ Auftritt.

Ist der Genuss des Videos mit tollem Sound tatsächlich derselbe am Heim-PC und am Smartphone? Die deutsche Telekom präsentiert in Ihrem WM Spot ein Beispiel dazu. Johannes hat den „Auftrag“, die WM mit dem Smartphone zu Menschen zu bringen, die sie sonst verpassen würden. Schön gesagt, denn es scheint vollkommen klar, der Johannes macht das nur gegen Geld! Ansonsten würde er sich vor seinen brandneuen 108 cm bildschirmdiagonalen 3D LED Fernseher setzen und die Vuvzeelas aus den Boxen tröten hören wollen. Oder zum Public Viewing mit Freunden gehen. Das Gucken auf dem Mobiltelefon ist diesen Erlebnissen nicht gleichwertig – aber immerhin – ich sehe was. Nun ja, man kann sich sicher darüber streiten, ob ein Fensterputzer am 20. Stock wirklich auf einen Bildschirm schauen sollte? Die Radioübertragung wäre die angemessene und bei Leibe nicht unemotionale passende Rezeptionsvariante – könnte er dabei doch tatsächlich auch noch Fenster putzen…

Es scheint mir bei Unternehmensentscheider zuweilen folgende Kurzschlusslogik vorzuliegen: als Nutzer ist es wunderbar, Angebote über diverse Medienkanäle nutzen zu können. Der Nutzer nutzt das Angebot mit einer kleinen Unterbrechung auf den unterschiedlichen Kanälen stets aus derselben Intention heraus.

Jedoch ersetzt ein neues Medium äußerst selten die bestehenden. Folglich deckt ein neues Medium – mindestens zum Teil – andere Nutzungssituationen ab. Wenn aber die Nutzungssituation anders ist, wird das inhaltliche Interesse ebenfalls ein anderes sein. Die Steuerung und Intention ist damit nicht immer dieselbe, sondern situativ angepasst.

Nehmen wir als Beispiel die Webseite der Bahn. Zuhause am PC informiert man sich über Reisemöglichkeiten, bucht womöglich eine Zugverbindung. Während dessen interessiert man sich unterwegs am Smartphone ob etwa Zugverspätungen vorliegen. Sicher würden sich bei einer Analyse deutliche Unterschiede zwischen den Nutzungsintensionen „zuhause“ und „unterwegs“ ergeben. Der mobile Auftritt sollte also als neuer Medienkanal verstanden werden. Entsprechend sollte diesem eine eigene auf die mobile Nutzungssituation angepasste Struktur geschneidert werden.

Vorab lohnt es sich – ich empfehle qualitativen Methoden, es geht um das Verständnis –  zu untersuchen, in welchen Nutzungssituationen die Zielgruppe das Angebot auf welchen Medienkanälen nutzt. Nur dann kann ein integriertes und für den Nutzer einfach zu nutzendes Angebot kanalgerecht präsentiert werden. Für den Nutzer nicht sinnvolle Spiegelungen irritieren und führen zur Minderung der Nutzerfreundlichkeit des Medienkanals. Eine für Heim-PC-Internet optimierte Webseite wird bei der mobilen Nutzung mit Sicherheit an Nutzerfreundlichkeit einbüßen und so dem Nutzeranspruch nicht in gleichem Maße gerecht werden können.


Seminar Online-Marktforschung in Köln am 18. / 19. August 2010

Kategorie:Markt- und Mediaforschung — Tags: , — 13:004. Mai 2010

Gemeinsam mit Prof. Dr. Lütters von pangealabs GmbH / Fachhochschule Eberswalde und Daniel Strobel von panelbiz gebe ich oben genanntes Management Circle Seminar:

  • Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Online-Erhebungsmethoden kennenlernen
  • Passende Teilnehmer für Ihre Online-Befragung finden und zur Teilnahme motivieren
  • Online-Befragungen konkret gestalten und live schalten
  • Ergebnisse optimal auswerten und die Datenqualität sicher einschätzen
  • Aktuelle (datenschutz-)rechtliche Anforderungen und Restriktionen beachten
  • Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Panel-Anbietern effizient gestalten
  • Soziale Netzwerke, Communities, iPhone & Co. für Ihre Datenerhebung perfekt nutzen

Kostengünstige Informationsbeschaffung in Echtzeit über:

  • Kundenbedürfnisse
  • Kunden-/Mitarbeiterzufriedenheit
  • Produktideen und Produktbewertungen
  • Unternehmens-Reputation u.v.m.

Ihr Praxis-Plus:

Sie lernen an Ihrem konkreten Unternehmensbeispiel den gesamten Prozess von der Erstellung, Erhebung und Auswertung einer Online-Befragung kennen.

Den Seminarflyer können Sie sich hier herunterladen.


Buchreflexion David Keen “Die Stunde der Stümper”

Kategorie:Markt- und Mediaforschung — Tags: , , — 11:4830. März 2010

Weitere Informationen unter http://www.hanser.de/buch.asp?isbn=978-3-446-41566-9&area=Wirtschaft

Zuallererst: Der Originaltitel von „Die Stunde der Stümper“ klingt mit „The cult of the amateur“ wesentlich langweiliger. David Keen will sein Buch als Polemik verstanden wissen. Eine gute Polemik zeichnet sich dadurch aus, dass man darüber diskutieren will. Will ich.

In der Marktforschung geht es darum, Orientierungspunkte für die Kunden zu schaffen. Erkenntnisse an vorhandenes Wissen so anzuschließen, dass daraus unternehmerischer Mehrwert generiert werden kann. Das Web 2.0 ist eine weniger einfach zu nutzende Quelle als es auf den ersten Blick scheint. Keen zeigt Stolpersteine auf, deren Erkennen (auch) in der Marktforschung qualitative Auswirkungen haben.

Die Positionen, die ich aus der Keen’schen Polemik extrapoliert habe:

Social Media / Web 2.0 hat das Problem des Konjunktivs.

Man könnte viel / alles, aber der zeitliche / personelle damit: finanzielle Aufwand ist so groß, das man in der Praxis / tatsächlich erstaunlich wenig schafft. Das Problem des 21. Jahrhunderts: Selektion.
Um diese zu leisten, begibt sich der Internetnutzer in die Abhängigkeit von Suchmaschinenanbietern, deren erstes Interesse ist, mit Werbung Geld zu verdienen. Das heißt, die Hilfsmittel, die verwendet werden, haben einen anderen Hauptzweck (damit sie als Hilfsmittel umsonst angeboten werden können). Wie vertrauenswürdig ist ein solches Hilfsmittel im Extremfall?

Was das für die Marktforschung heißt:
Bei der Bewertung von hoher Relevanz im Sinne der Suchmaschinenergebnisse muss sich die Marktforschung im Klaren sein, dass man es mit einer „Black Box“ zu tun hat. Man kann nicht exakt nachvollziehen, weshalb Ergebnisse nicht, wie oder wo auftauchen. Dieses Manko trägt jede semantische Analyse in sich, die im Wesentlichen auf Suchmaschinenergebnissen aufbaut. Quelldaten erscheinen vollständiger als sie sind. Die Definition des Analysebereichs ist darum umso wichtiger.

Ich glaube nicht, dass es das perfekte technische Tool dafür geben wird, jeweils (!) für die individuelle Person den Müll vom Interessanten zu trennen. Das Wesentliche mag noch technisch erreichbar sein. Ein zentraler Aspekt des Interessanten scheint mir zu sein, dass es in Randregionen unseres Wissens liegt, es damit ausdehnt. Derartige Grenzregionen sind meiner Ansicht zu individuell und zufällig fürs technische Profiling.

Ganz abgesehen davon, dass meiner Ansicht nach eine Vertrauensdebatte in den nächsten fünf Jahren losgetreten wird, die die Verwendung des technischen Profilings  (welche Daten nutzen Suchmaschinenanbieter wie?) zum Inhalt hat und eher höhere Wellen schlagen wird.

Was das für die Marktforschung heißt:
Auch für Marktforschung gilt, dass vorhandene Social Media Gruppen nicht einfach mit Marktforschung durchseucht werden dürfen. Denn ist den Nutzern klar, dass eine „Informationsabzocke“ stattfindet, ist Vertrauen im Nu weg, ist Schluss mit der Offenheit – die gesamte Gruppe inklusive des Gründers wird diskreditiert.

Misstrauen, das Schleudertrauma des Web 2.0

Web 2.0 verlangt Vertrauen gegenüber anonymer Masse (Weisheit der vielen – wisdom oft he crowds / Nutzergenerierte Inhalte)

Youtube ist nach Keen (S.78) die Demokratisierung des Boulevards, der Agitation und Manipulation. Die Gefahr der Abwendung und des Misstrauens wird damit erhöht. Wer sich „dahinter“ verbirgt, ist für den Nutzer nur schwer nachvollziehbar, da alles unter Pseudonymen veröffentlicht wird. Das Problem der nutzergenerierten Inhalte ist also, dass man sich nicht sicher sein kann, ob es ist was es scheint (Keen S. 90). Hier beißt sich das System – die Katze in den Schwanz. Denn die eigentliche Schutzfunktion, seinen Namen nicht öffentlich preiszugeben, verkehrt sich in die Möglichkeit, alle möglichen Schindluder im verantwortungsfreien Raum zu treiben. Genau diese Tatsache, Verantwortung nicht oder nur unter sehr großem Aufwand einfordern zu können, lässt kein Vertrauen entstehen.

Was das für die Marktforschung heißt:
Personen für Marktforschung aktiv zu gewinnen dürfte schwieriger werden, denn bei Marktforschung handelt sich um die Preisgabe von persönlicher Information.  Zudem  wird auch die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der befragten Zielgruppen im offenen Web 2.0 schwieriger zu erzeugen sein. Umso wichtiger werden für die Marktforschung Onlinepanels mit ihren verifizierten Panelteilnehmern.

Die totale Demokratisierung des Web 2.0 als Mahlstrom der Kultur

Totale Demokratisierung heißt totale Beliebigkeit heißt keine Orientierungspunkte, um Vertrauen zu entwickeln. Damit geht auch den Verlust kultureller und sozialer Errungenschaften einher. Alles wird weggespült, das Kind mit dem Bade – da es nicht mehr auffällt, untergeht in der Web 2.0 Masse (vgl. Keen S. 78f, 87).

Fehlinformation ist nicht löschbar

„Das Medium, in dem Informationen registriert werden, ist nun das Internet, in dem Fehlinformation nie wieder verschwinden. Das heißt, unser Speicher für aggregierte Information wird durch Fehler und bewussten Betrug infiziert“ (Keen S.86)

Ein weiterer Baustein des potenziellen Misstrauens. Denn selbst wenn eine falsche Information korrigiert wird: wer hat diese korrigiert mit welcher sachlichen Kompetenz und wie kann man das als Nutzer nachvollziehen? Was heißt falsch? Das kann im Falle moralischer, gesellschaftlicher und politischer Information ausschließlich Kontextabhängig beurteilt werden. Dieser Kontext, der Rahmen der Information,  kann aber nahezu beliebig verändert werden.

Zweifach versteckte Manipulation

Die erste ist Search Engine Optimization (SEO). Damit wird versucht, die eigenen Informationen im Suchmaschinenranking so weit nach oben wie möglich zu platzieren. Das heißt, die Rankings der Suche die man ausführt wird nicht zwingend die inhaltlich besten Ergebnisse auf den ersten Positionen zeigen, sondern die am besten der an den Suchmaschinenalgorithmus angepassten.

Die zweite steckt in den wenigen Beeinflussern, die das Web 2.0 maßgeblicher beeinflussen als es offensichtlich ist. Keen S.106 nennt ein Beispiel wonach von 900.000 Digg Nutzern 30 für ein Drittel aller Nachrichten auf der Startseite verantwortlich waren.

„Die Untersuchung des Wall Street Journal zeigt also, dass diese Websites eher den Vorlieben weniger als der „Weisheit“ der Vielen entsprechen.“ (Keen S. 106)

Der kleine Kreis Bestimmer verschwindet hinter einem scheinbar neutralen Algorithmus. Und welche Motivation außer ihren „Vorlieben“ haben diese „Bestimmer“ noch? Werden Sie bezahlt? Von wem?

Was das für die Marktforschung heißt:
Gerade bei der Social Media Analyse, die mit technischen Hilfsmitteln arbeitet, müssen diese Manipulationsmöglichkeiten untersucht und berücksichtigt werden.

Holzweg

Weisheit der vielen ist nur Popularität der vielen. Popularität ist aber kein Maßstab für Weisheit.

Es scheint also eine kritische Überprüfung der Wortwahl notwendig, gerade der populären Schlagwörter: sind nutzergenerierte Inhalte auf Englisch user generated content nicht eher user generated garbage, nutzergenerierter Müll – mindestens für die meisten. Durchwühlen müssen sich alle durch alles. Ist das effizient? Führt das zum Ziel? Und wie weiter oben beschrieben, wird der Weg, das für sich interessante, wichtige zu finden, durch versteckte Manipulation im Zweifelsfall erschwert.

Meine daran anschließende Frage: Gehört die Zukunft dem „Alles-in-einem-Soziales-Netzwerk“ (derzeit hat Facebook die besten Chancen) oder doch den spezifischen abgeschlossen „nur mit Anmeldung und Empfehlung“ Netzwerken, die die „Müllmenge“ von vornherein reduzieren?

Querschläger

Die wirtschaftlichen Interessen der Anbieter. Es werden überwiegend „Hüllen für Werbung“ (Keen S.152) produziert. Wo bleiben kulturell wertvolle Inhalte? „Die Identifizierung und Förderung weniger wahrer Talente in einem Meer von Stümpern könnte sich als die wirkliche Herausforderung in der Web-2.0-Welt von heute erweisen.“ (Keen S.38) Alles könnte in Sekundenschnelle in Erfahrung gebracht werden, aber ich brauche Stunden, um es tatsächlich zu finden, weil Suchmaschinen- und andere Anbieter wirtschaftliche, Unternehmenserfolgsorientierte Interessen verfolgen: das Informieren ist Vehikel!

Zeitraubender Akt des Präsentierens

Man ist zu aktiv, kann zu wenig zuhören (Keen S.43).

Erweiterte Reflexionen darf man nicht zwingend erwarten. Bietet Social Media in vielen Facetten also kein wirklich reflexives Medium in dem Sinne, dass es Anstöße intellektuell verarbeitet? Bleibt es stattdessen beim „re-tweet“, der Verlinkung, dem Posting bei der bloßen Dokumentation des  „das passt zu mir“. Fehlt zur innerlichen Auseinandersetzung „inwiefern?“ die Zeit? Oder wird diese Diskussion im (oft bruchstückhaften) Aufeinanderreagieren „nur“ extrem sozialisiert, das heißt aufgesplittert in Chats, Forenentgegnungen etc.?

Was das für die Marktforschung heißt:
Postings müssen entsprechend keine tiefe Überzeugungen darstellen, sondern können einfach so im Eifer der aktiven Darstellung „weil es gerade passt“ platziert werden. Diese „Insights“ müssen also im Zweifel auf Ihre Bestandsfestigkeit überprüft werden.

Haltlosigkeit

Das Web 2.0, genauer: die immerwährende Veränderungs-Rekombinations-Optimierungswelt des Web 2.0 fließt zu schnell, um Orientierungspunkte entstehen zu lassen. (Keen S. 68-70) Das Web 2.0 lässt keine fixen Standpunkte entstehen. Das kennzeichnet jedoch eine Kultur.

Allerdings ist das von Keen verwandte Beispiel (Keen S.68ff) diskussionswürdig. Er stellt das Buch oder Lied eines Künstlers (Beethoven, Madonna etc.) gegen sogenannte Mashups, das versatzstückartige Weiterverwenden und Neukombinieren von Medieninhalten. Allerdings: wie sieht das mit Roll over Beethoven aus? Ist kulturelle Leistung nicht immer das mehr oder minder starke Reagieren auf Bestehendes? Im aktuellen Fall der Plagiatsdiskussion rund um Helene Hegemanns Abschreiben in Ihrem Roman „Axolotl Roadkill“ wird deutlich, dass der Grat schmal ist und die Diskussion offen.

Was das für die Marktforschung heißt:
Postings müssen entsprechend keine eigenen Überlegungen oder Überzeugungen darstellen, sondern können auch ganz einfach per copy-and-paste „in die eigene Darstellung integriert“ werden. „Insights“ müssen also im Zweifel auf Ihre Herkunft überprüft werden, denn Motivation und Leistung von Abgeschautem und Originellem sind sehr unterschiedlich zu bewerten.


Gedankenkette: Was ist Innovation?

Kategorie:Markt- und Mediaforschung — Tags: , , , — 20:119. Februar 2010

Gestern gab es einen anregenden Vortrag von Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl im FPAK Kolloquium (FPAK = FESTO Program of applied knowing) zum Thema „Innovation und Lernen“.

Die Gedankenkette, die ich mir ausgehend vom Vortrag notiere:

Innovation = Evolution – nicht linear – interdisziplinär – im Netzwerk – nur mit Vertrauen – Lernen von den anderen – Kommunikation.

Die Begriffe hängen auch – nicht linear – miteinander zusammen.

Laut Frau Prof. Dr. Weissenberger-Eibl ist Innovation ein evolutionärer Prozess, der nicht linear verläuft. Innovation braucht eine Grundlage. Wovon geht man aus? Das ist Maßstab, ob es innovativ ist. Wie stark es innovativ ist. Innovation denkt Prof. Dr. Weissenberger-Eibl vom Nutzer bzw. dem Nutzen einer Zielperson her. Womit eine Grundlage der Herstellung von Innovation also Nutzer- oder auch Kundeninformation ist. [NB: Marktforschung ist eine Möglichkeit, diese Informationen einzuholen.] Evolutionärer Prozess heißt also damit, dass dem Nutzer durch die Innovation etwas besser, einfacher, sinnvoller, schneller, plausibler von der Hand geht. [NB: Was mitunter ebenfalls ein evolutionärer Porzess ist].

Ein nicht linearer Prozess deshalb, da Innovation im Austausch mit Personen unterschiedlicher – interdisziplinärer – Wissens- und Gedankenwelten erschlossen wird. Die Innovationsgruppe pendelt also zwischen den Gebieten hin und her. Innovation bedeutet hier also auch das Ausloten der Bedeutungen einzelner Wissensbausteine.

Interdisziplinarität sorgt für notwendigen Anstöße, sein eigenes Wissen neu zusammenzusetzen und so zu einem neuen evolutionär besseren Aufbau zu gelangen.

Im Netzwerk meint, dass der Gruppenfindungsprozess, der Austausch von Wissen und Ansätzen die oben genannten Anstöße produziert.

Um überhaupt die Bereitschaft aufzubringen, sein eigenes Wissen neu zusammenzusetzen, ist Vertrauen in die Offenheit der Gegenüber notwendig, diesen Prozess ebenso ernsthaft zu betreiben.

Nur mit dieser Offenheit, dem Vertrauen können Bausteine des Wissens der anderen so verbaut werden, dass sich im Prozess konstruktiv Neues ergibt.

Es ist offensichtlich, dass dies ein kommunikativer Prozess ist. Die Leistung, die die Moderation erbringt, ist dabei zentral für den Erfolg, also dem Entstehen von Innovation.

NB: Niklas Luhmanns Grundbaustein seiner sozialen Systemtheorie ist „Kommunikation“. An der Gedankenkette wird sehr anschaulich, was Kommunikation in seinem Sinne meint. Es ist das Element, dass Zusammenhänge erschafft und überhaupt erst ermöglicht. Innovation ist im Sinne Luhmanns also ein Interpretationsprozess innerhalb einer Kommunikationskette, der einen neuen für alle Beteiligten konstruktiveren Sinnzusammenhang des ursprünglichen Ausgangspunktes der Kommunikation erschafft.


„Fast die richtige Zielperson“

Kategorie:Markt- und Mediaforschung — Tags: , , — 18:5116. Dezember 2009

Hier ein Zitat das ins Thema einführt. Der Artikel behandelt neue Ansagen in der S-Bahn in München.

„Weggefallen ist auch das gestelzte „please disembarke at the next station“, geschaffen von einem Muttersprachler, jedoch von einem, der im Flugverkehr bewandert war. Dieses Mal, sagt eine Bahnsprecherin, habe man sich von einem Muttersprachler beraten lassen, der sich im Bahnverkehr auskenne.“ (Süddeutsche Zeitung vom 15.12.2009)

Was die Bahnsprecherin verschweigt ist, dass über Jahre hinweg eine englische Ansage im Gebrauch war, die (mindestens) englische Muttersprachler in Erstaunen gesetzt haben wird. Warum? Man hatte einen Muttersprachler hinzugezogen – aber leider nicht den „richtigen“. Diese Erfahrung ist wahrscheinlich auf Kundenfeedback zurückzuführen. Sie führt dazu, dass die „nächste Gelegenheit“ genutzt wird, in diesem Fall aber unglaublich lange, vielleicht 10 Jahre (ich weiß es nicht, habe die Ansagen aber lange genug in den Zügen gehört) ins Land gezogen sind, um dann den „richtigen“ Muttersprachler fragen zu können. Der Prozess einer grundlegenden Erneuerung von S-Bahn Ansagen scheint finanziell und organisatorisch ein größerer Aufwand zu sein. Er geschieht also nur in größeren Zeitabständen.

Eine schöne Illustration „fast die richtige Zielperson“ gefunden zu haben. Also: „im Prinzip den richtigen Weg eingeschlagen zu haben“. Um im Bild zu bleiben, ist man allerdings auf halber Strecke falsch abgebogen. In der Marktforschung kann dies ernsthafte Konsequenzen haben.

Übertragen wir die Situation auf den Marktforschungsprozess: Ich hörte schon oft Sätze wie „Dann fragen wir halt mal unsere Webseitennutzer.“ Dagegen spricht prinzipiell nichts – wenn man diese Einschränkung – also in diesem Fall: Webseitennutzer sind ein bestimmter Ausschnitt der Zielgruppe – nicht vergisst.

Wenn im Prozess des Berichtens derartige Einschränkung aber „vergessen“ werden, dann drohen Ergebnisse falsch interpretiert zu werden. Wenn im Zuge von Verkürzungen (die Fallstricke des Management Summarys) daraufhin getroffene Entscheidungen sich als schlecht erweisen. Und man (also: auch der Chef, Auftraggeber etc.) sich die Frage stellt, warum in aller Welt – „die Marktforschung hat doch gesagt…“ – daneben liegt.

Wer leidet darunter?

* Die Marktforschung. Da das Vertrauen in sie erschüttert wird.Marktforscher müssen sich also gelegentlich dem Verkürzungswahn entgegenstellen – wenn dieser auf den Holzweg führt. Meine Erfahrung sagt: das passiert schnell und häufig.

* Das Geschäft. Da Geld und Zeit für Marktforschung bereit gestellt werden und nicht der maximale (auch nach oben begrenzte) Nutzen heraus gezogen werden kann. Oder schlimmer: Entscheidungen können gar nicht oder zeitlich erst viel später revidiert werden. Das Geschäft, das optimiert werden sollte, wird ausgebremst.

Hier fängt Qualität ganz am Anfang an. Genau zu diesem Zeitpunkt muss man sich Zeit nehmen und den Weg zu Ende gehen und bohren, um zu prüfen ob der Weg denn kein Holzweg ist. Denn sonst sitzt man Jahre wie im Beispiel auf einer Ansage, die „fast die richtige“ ist. Ich denke, in Zeiten starken Konkurrenzdrucks ist das zu wenig, um zu überleben.

Ach ja: Aus „please disembarke at the next station“ wurde „exit on the right“. Auf das sich Englischsprachler ab sofort wie zu Hause fühlen in der Weltstadt mit Herz.


Antiignorant

Kategorie:Spielplatz der Worte — Tags: — 18:40

In der Zeit vom 4. Dezember 2009 ist der Artikel über den erschienenen Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld überschrieben mit „Der Ignorant und der Wahnsinnige“. Aus diesem Briefwechsel wie auch aus seinem Werk geht zweifelsohne hervor, dass Thomas Bernhard in großem Umfang mit unvorstellbar positiven als auch negativen Aspekten als wahnsinnig zu bezeichnen ist.

Thomas Bernhards ist ein Sprachkunstgenie, welches sich „gleichsam naturgemäß“ selbst zerstört, und: er versucht alle, alles mit zuziehen.

Thomas Bernhard ist (denn durch sein Werk ist er und war nicht bloß) ein Antiignorant. Denn im Ausschnitt des Briefwechsels erscheint ein Thomas Bernhard, der wie ein schwarzes Loch alles, was an ihn herantritt, unmittelbar und heftig anzieht, verschlingt. Für Außenstehende ist das durchaus als produktiv erkennbar, aber zugleich zerstört diese Produktivität sich selbst, gleich einer Nova.

Ich habe großen erschrockenen Respekt!

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